Projekt Kooperative Berufsorientierung

Bild: Claudia Wörner

Die Claude-Dornier-Berufsschule kooperiert mit der Werkrealschule Pestalozzi-Schule in Friedrichshafen im Zuge des Projektes Kooperative Berufsorientierung (KooBO). Schüler haben dabei Gelegenheit in Berufe hineinzuschnuppern und Ausbildungsmöglichkeiten kennen zu lernen.

Berufsorientierung auf Augenhöhe an der Claude-Dornier-Schule: Jan Seige, Azubi im zweiten Lehrjahr, zeigt Schülerin Lisa Kelbing von der Pestalozzi-Schule worauf man beim Schweißen achten muss.

Quelle: Claudia Wörner, Südkurier vom 11.03.2019

In den Werkstätten der Claude-Dornier-Schule in Friedrichshafen wurde am Montag fleißig gehobelt, gebohrt und geschraubt. Auf dem Plan stand die Fertigstellung eines ganz besonderen Projektes: eine Bank aus Holz und Metall für den Schulhof der Pestalozzi-Schule, ebenfalls in Friedrichshafen. An ihr haben Auszubildende und Schüler gemeinsam gearbeitet.
Handwerksluft schnuppern und Berufe kennenlernen – für die Schülerinnen und Schüler der zehnten Klasse der Pestalozzi-Schule sind die Tage an der Claude-Dornier-Schule eine interessante Abwechslung. Auch für die Auszubildenden ist das Projekt etwas Besonderes, können sie den Schülern doch aus erster Hand von ihren Erfahrungen berichten und sie zum Beispiel beim Schweißen einer Naht oder im Umgang mit dem Akkuschrauber anleiten. Kooperative Berufsorientierung (KooBO) nennt sich das Projekt, zu dem sich Berufsschule und Werkrealschule zusammengetan haben.
Michael Neubold, Technischer Lehrer für Holz und Bautechnik, erläutert, wie man den Hobel ansetzt. "Einfach mit Schmackes und Schwung. Hier ist es besser mit Technik als mit Kraft zu arbeiten", lautet sein Tipp. Die Azubis des ersten Lehrjahrs verteilen sich an den Werkbänken und bereiten das Holz für die Sitzfläche der Bank vor. Nebenbei erfahren sie, dass sich das Holz der Douglasie besonders gut für den Außenbereich eignet. Ruckzuck montieren die Azubis das Holz für die Sitzfläche der Bank und lassen sich dabei von den Werkrealschülern über die Schulter schauen.
Lisa Kelbing von der Pestalozzi-Schule war schon in der vergangenen Woche dabei, als die Metallstangen für die Bank zurecht gesägt wurden. "Das konnte ich auch selbst ausprobieren. Außerdem habe ich geschweißt", erzählt die 17-Jährige. Für sie sei das Holz- oder Metallhandwerk aber nichts. "Ich habe schon einen Ausbildungsplatz als Packmitteltechnologin."
 
Für Nadine Gumpoltsberger, Lehrerin für Berufsorientierung, macht das KooBO-Projekt viel Sinn. "Die Schüler erfahren von der Planung über Kostenkalkulation und Materialauswahl bis zur Montage alles, was beim Bau einer Bank zu beachten ist", schildert sie. Sehr wertvoll sei der direkte Kontakt zu den Azubis. "Die Schüler treffen sich mit ihnen auf Augenhöhe und haben den direkten Austausch." Dies kann Ulrike Zinser von der Nachwuchsförderung der Handwerkskammer Ulm nur bestätigen.
Bereits im zweiten Lehrjahr zum Anlagenmechaniker im Industriebereich sind Jan Seige aus Überlingen und Martin Hämmerle aus Waldburg. Als Mentoren haben sie den Pestalozzi-Schülern gezeigt, wie man mit dem Schweißgerät umgeht. "Manche Schüler schauten nur zu, andere fragten mal was und einige haben sich getraut, selbst zu schweißen", erzählt Hämmerle, der mit seinen 17 Jahren gleich alt wie die meisten Zehntklässler ist.
Schon vor seinem Realschulabschluss habe er gewusst, dass er beruflich etwas mit den Händen machen wolle. Jan Seige fand seinen Ausbildungsplatz bei der Bodenseewasserversorgung in Sipplingen durch die Agentur für Arbeit. Beide rechnen sich nach Abschluss der Lehre gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt aus. "Anschließend kann man immer noch weiter machen, entweder den Meister oder sogar ein Studium", weiß Seige.
Die Kooperation mit der Pestalozzi-Schule sei für die Claude-Dornier-Schule eine gute Möglichkeit, die Ausbildungsberufe vorzustellen, sagt Andreas Frömel, Abteilungsleiter für industrielle Metallberufe. "So entdeckt der eine oder andere Schüler doch, dass es interessante Handwerksberufe gibt", so Frömel mit Blick auf den Fachkräftemangel im Handwerk. "Gute Leute werden nach der Ausbildung händeringend gesucht."

Quelle: Claudia Wörner, Südkurier vom 11.03.2019